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Casinos in Liechtenstein: Was für Spieler aus der Schweiz gilt

Recht & Regeln · Veröffentlicht · Aktualisiert

Blick über das Rheintal mit Dörfern und Bergen als Symbol für Casinos in Liechtenstein

Liechtenstein hat innert weniger Jahre einen eigenen Casinomarkt aufgebaut, der stark von Gästen aus der Schweiz lebte. Seit dem 7. Januar 2025 gelten Schweizer Spielsperren auch dort, und die Zahl der Casinos sinkt. Der Beitrag fasst die Rechtslage und die belegten Zahlen zusammen.

Inhalt dieser Seite (9)
  1. Das Liechtensteiner Geldspielgesetz
  2. Wie viele Casinos es gibt
  3. Die Volksabstimmung über ein Casino-Verbot
  4. Das Abkommen über Spielsperren
  5. Die Folgen für die Casinos
  6. Was Schweizer Gäste wissen sollten
  7. Unterschiede zur Schweiz und die Verbindung über Swisslos
  8. Fazit
  9. Häufige Fragen

Für viele Spielerinnen und Spieler aus der Ostschweiz liegt das nächste Casino nicht in der Schweiz, sondern im Fürstentum Liechtenstein. Das Land hat ab 2016 einen eigenen Spielbankenmarkt zugelassen, und innert weniger Jahre entstanden mehrere Casinos entlang der Grenze. Ein grosser Teil der Gäste kam aus der Schweiz.

Seit 2025 hat sich die Lage deutlich verändert. Ein Staatsvertrag sorgt dafür, dass Schweizer Spielsperren auch in Liechtenstein gelten. Dieser Beitrag fasst zusammen, was das Liechtensteiner Recht vorsieht, was das Abkommen regelt und welche Zahlen Behörden und Medien dazu veröffentlicht haben. Einen Überblick über das Land bietet die Seite zu Liechtenstein.

Das Liechtensteiner Geldspielgesetz

Grundlage ist das Geldspielgesetz (GSG) vom 30. Juni 2010, veröffentlicht im Landesgesetzblatt 2010 Nr. 235. Es ist ein eigenes Gesetz und nicht mit dem Schweizer Geldspielgesetz identisch, enthält aber ähnliche Schutzregeln:

  • Spielverbot: Nach Artikel 22 GSG dürfen Personen unter 18 Jahren und Personen mit einer Spielsperre nicht spielen.
  • Spielsperre: Nach Artikel 23 GSG sperrt die Spielbank Personen, die überschuldet sind, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen oder Einsätze riskieren, die in keinem Verhältnis zu Einkommen und Vermögen stehen. Spielerinnen und Spieler können auch selbst eine Sperre beantragen.
  • Identitätsprüfung: Nach Artikel 25 GSG überprüft die Spielbank die Identität jeder Person, bevor sie Zutritt gewährt. Anerkannt sind amtliche Ausweise mit Foto.
  • Rechtsform: Eine Spielbank muss als Aktiengesellschaft oder Europäische Gesellschaft geführt werden.

Als Behörde nennt das Gesetz unter anderem das Amt für Volkswirtschaft, etwa bei der Anerkennung von Ausweispapieren.

Einige Details unterscheiden sich vom Schweizer Recht. Das allgemeine Spielverbot nach Artikel 22 GSG erfasst neben Minderjährigen und gesperrten Personen auch die Mitarbeitenden der Aufsichtsbehörden sowie Personen, gegen die internationale Sanktionen verhängt wurden. Die Spielsperre kann nach Artikel 23 GSG zusätzlich verhängt werden, wenn jemand den geordneten Spielbetrieb beeinträchtigt. Sie muss aufgehoben werden, sobald der Grund dafür nicht mehr besteht. Nach Artikel 24 GSG darf eine Spielbank Personen ohne Angabe von Gründen den Eintritt verweigern und Eintrittspreise erheben.

Die Geldspielabgabe

Der Staat erhebt nach Artikel 73 GSG eine Abgabe auf den Bruttospielerträgen. Die Spannen sind im Gesetz festgelegt:

AngebotGeldspielabgabe laut Art. 73 GSG
Spielbanken17,5 % bis 40 %, progressiv
Lotterien und Wetten10 % bis 20 %
Online-Geldspiele5 % bis 12,5 %

Die einzelnen Sätze legt die Regierung fest. Laut Blick betrug der Bruttospielertrag der Casinos 2024 CHF 140,8 Mio., die Geldspielabgabe CHF 52,8 Mio. SRF bezifferte die jährlichen Einnahmen des Staates aus den Casinos auf rund CHF 50 Mio.

Wie viele Casinos es gibt

Eine aktuelle amtliche Zahl war für diesen Beitrag nicht zugänglich. Die Medienberichte zeichnen aber ein klares Bild der Entwicklung:

  1. 2016: Liechtenstein öffnet den Markt für Spielbanken.
  2. 2017: Die ersten Casinos nehmen den Betrieb auf.
  3. Januar 2023: Zum Zeitpunkt der Volksabstimmung sind laut cash.ch vier Casinos in Betrieb, drei weitere Gesuche sind hängig.
  4. Januar 2025: SRF nennt sechs Casinos, in Gamprin-Bendern, Ruggell, Schaanwald, Triesen, Vaduz und Eschen.
  5. Januar 2026: Laut Blick gab es Ende 2024 sechs Casinos; seither haben zwei geschlossen, darunter das Casino in Ruggell im September 2025.

Laut Blick hat sich zudem der Casinoverband Liechtenstein aufgelöst.

Die Volksabstimmung über ein Casino-Verbot

Am 29. Januar 2023 stimmte Liechtenstein über eine Initiative der IG VolksMeinung ab, die Casinos im Land verbieten wollte. Laut cash.ch hätten die bestehenden Casinos nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren schliessen müssen, und Online-Geldspiele wären verboten worden.

Die Stimmberechtigten lehnten die Initiative mit 73 % Nein-Stimmen ab. In keiner der elf Gemeinden fand sie eine Mehrheit. Die Casinos durften also weiter betrieben werden. Für Online-Geldspiele gilt in Liechtenstein dagegen ein Moratorium, das die Regierung laut Vatican News im Dezember 2023 bis Ende 2028 verlängert hat. Liechtensteiner Online-Casinos gibt es deshalb nicht.

Das Abkommen über Spielsperren

Der wichtigste Einschnitt für Schweizer Gäste ist das Abkommen zwischen Liechtenstein und der Schweiz über den Austausch von Daten zu Spielsperren. Es ist im Landesgesetzblatt 2024 Nr. 406 veröffentlicht.

  • Unterzeichnet wurde es am 20. Oktober 2022.
  • Der Landtag stimmte am 4. Mai 2023 zu.
  • In Kraft getreten ist es am 7. Januar 2025.
  • Beide Staaten anerkennen die Spielsperren des anderen Staates gegenseitig.
  • Ausgetauscht werden Name, Vorname, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und das Ausstellungsdatum der Sperre.
  • Das Abkommen kann mit einer Frist von zwölf Monaten gekündigt werden.

Damit gilt eine Schweizer Spielsperre seit dem 7. Januar 2025 auch in den Casinos in Liechtenstein. Wer in der Schweiz gesperrt ist, kann also nicht mehr über die Grenze ausweichen. Umgekehrt wirkt eine Sperre, die ein Liechtensteiner Casino verhängt hat, auch in der Schweiz. Die Aufhebung richtet sich nach Artikel 9 des Abkommens nach dem Recht, das für den Veranstalter gilt, der die Sperre verhängt hat; die Daten werden ausgetauscht, damit die Casinos auf beiden Seiten der Grenze dieselbe Liste prüfen können. Wie eine Sperre aufgehoben wird, erklärt der Beitrag zur Aufhebung der Spielsperre.

Die Folgen für die Casinos

Die Wirkung war deutlich. SRF berichtete Ende Januar 2025, dass rund 100'000 in der Schweiz gesperrte Personen nun auch in Liechtenstein nicht mehr spielen dürfen. In Liechtensteiner Casinos selbst seien mehr als 4'000 Personen gesperrt. Einzelne Casinos meldeten einen Rückgang der Besucherzahlen um bis zu 85 %. Die Branche beschäftigte laut SRF mehr als 400 Personen.

Laut Blick brach der Bruttospielertrag im ersten Quartal 2025 um 59 % ein. Zwei Casinos haben seither geschlossen. Die Zahlen zeigen, wie stark der Markt von Gästen abhing, die in der Schweiz gesperrt waren.

Was Schweizer Gäste wissen sollten

Für Spielerinnen und Spieler aus der Schweiz ergeben sich daraus einige praktische Punkte:

  • Ausweis: Zutritt gibt es nur nach Identitätsprüfung mit einem amtlichen Ausweis mit Foto.
  • Sperre: Eine Schweizer Spielsperre gilt auch in Liechtenstein. Umgekehrt gelten Liechtensteiner Sperren in der Schweiz.
  • Steuern: Gewinne in einem Liechtensteiner Casino stammen von einem Veranstalter mit Sitz im Ausland. Laut Merkblatt des Kantons Schwyz sind ausländische Geldspielgewinne voll steuerbar, ohne Freibetrag. Abziehbar sind 5 % als Einsatzkosten, beim Bund höchstens CHF 5'400.
  • Online: Wegen des Moratoriums gibt es keine bewilligten Liechtensteiner Online-Casinos.

Die Steuerregeln für Casino-Gewinne im Detail beschreibt der Beitrag zur Versteuerung von Casino-Gewinnen.

Unterschiede zur Schweiz und die Verbindung über Swisslos

Die Rechtsordnungen der beiden Länder ähneln sich, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten:

PunktSchweizLiechtenstein
GesetzGeldspielgesetz (BGS), in Kraft seit 2019Geldspielgesetz (GSG) vom 30. Juni 2010
Online-Casinoserlaubt für Spielbanken mit erweiterter Konzession, seit 1. Januar 2019Moratorium für Online-Geldspiele bis Ende 2028
Mindestalter18 Jahre für Spielbankenspiele18 Jahre
Spielsperrelandesweit, gilt seit 2025 auch in Liechtensteingilt seit 2025 auch in der Schweiz

In der Schweiz erteilt der Bundesrat die Konzessionen für Spielbanken, und die Aufsicht liegt bei der ESBK. Einen Überblick über die Schweizer Häuser gibt der Beitrag zu den Spielbanken-Konzessionen.

Bei Lotterien ist Liechtenstein dagegen eng mit der Schweiz verbunden. Das Land gehört seit 1968 zum Gebiet von Swisslos. Vom Swisslos-Gewinn des Jahres 2025 gingen laut Swisslos CHF 3,1 Mio. an Liechtenstein. Diese Mittel fliessen, wie in den Schweizer Kantonen, in gemeinnützige Projekte.

Fazit

Liechtenstein hat mit seinem Geldspielgesetz einen eigenen Casinomarkt geschaffen, den die Bevölkerung 2023 klar bestätigt hat. Seit dem Abkommen über Spielsperren ist der Markt für gesperrte Personen aus der Schweiz aber geschlossen, und die Zahl der Casinos ist gesunken. Wer dort spielt, unterliegt denselben Sperren wie in der Schweiz und muss Gewinne in der Schweiz voll versteuern.

Bei Fragen zum eigenen Spielverhalten bietet SOS Spielsucht unter sos-spielsucht.ch einen Selbsttest und die kostenlose Helpline 0800 040 080.

Häufige Fragen

Gilt eine Schweizer Spielsperre in Liechtenstein?

Ja. Seit dem 7. Januar 2025 anerkennen beide Staaten die Spielsperren des anderen Staates. Grundlage ist ein Abkommen über den Austausch von Daten zu Spielsperren.

Wie viele Casinos gibt es in Liechtenstein?

Eine aktuelle amtliche Zahl lag nicht vor. Laut Blick gab es Ende 2024 sechs Casinos, seither haben zwei geschlossen.

Sind Gewinne in einem Liechtensteiner Casino steuerfrei?

Nein. Für Schweizer Steuerpflichtige sind es ausländische Geldspielgewinne, die laut Merkblatt des Kantons Schwyz voll steuerbar sind. Mehr dazu unter Casino-Gewinne versteuern.

Gibt es Online-Casinos aus Liechtenstein?

Nein. Für Online-Geldspiele gilt in Liechtenstein ein Moratorium, das bis Ende 2028 verlängert wurde.

Quellen

  1. Geldspielgesetz (GSG), LGBl. 2010 Nr. 235 – gesetze.li
  2. Abkommen zwischen Liechtenstein und der Schweiz über den Austausch von Daten zu Spielsperren, LGBl. 2024 Nr. 406 – gesetze.li
  3. Schweizer Spielsperre bedroht Casinos in Liechtenstein – SRF
  4. Liechtensteiner Casinos dürfen Schweizer Spielsüchtige nicht mehr abzocken – Blick
  5. Casino-Verbot scheitert in Liechtenstein an der Urne – cash.ch
  6. Merkblatt Besteuerung von Geldspielgewinnen – Steuerverwaltung Kanton Schwyz
  7. Mittelfluss: Aufteilung des Swisslos-Gewinns – Swisslos

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